Medienbildung zum Anfassen
Das Euregionale Zentrum für digitale Bildung zu Besuch bei den Kolleg*innen des digilooms in Luxemburg (Oktober 2026)
Wie können pädagogische Fachkräfte digitale Medien kreativ, reflektiert und sinnvoll in ihren Alltag integrieren? Dieser Frage widmet sich das nationale Ressourcenzentrum für Medienbildung digiloom in Luxemburg. Gestern besuchte das Euregionale Zentrum für digitale Bildung (EZdB) die Einrichtung, um deren Konzept kennenzulernen, die vielfältigen Lernräume zu erkunden und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.
Ein Ort zum Entdecken, Ausprobieren und Weiterdenken
Der Name digiloom lässt sich sinngemäß als „digitaler Webrahmen“ verstehen: Unterschiedliche Erfahrungen, Ideen und Perspektiven werden miteinander verwoben. Genau diesen Gedanken greift die Einrichtung auf. Als Teil der Trägerorganisation arcus begleitet digiloom pädagogische Fachkräfte dabei, digitale Medien nicht einfach nur einzusetzen, sondern ihren pädagogischen Nutzen zu entdecken und kritisch zu reflektieren.

Das Ressourcenzentrum ist eines von sieben mit unterschiedlicher Ausrichtung und arbeitet im Auftrag des luxemburgischen Bildungsministeriums, es ist organisatorisch jedoch nicht direkt dem Ministerium zugeordnet. Sein Angebot richtet sich an pädagogische Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, insbesondere an Mitarbeitende aus Kitas, der außerschulischen Kinderbetreuung und weiteren Bildungsbereichen. Der Weg zum heutigen Einrichtungskonzept war das Ergebnis einer mehrmonatigen Recherche- und Entwicklungsphase. Nach einer ersten Pop-up-Phase wurde das Angebot in den jetzigen Open Space überführt. Die große Nachfrage zeigt, wie wichtig solche Erfahrungsräume sind: Nach Angaben des Teams haben bereits mehr als 1.000 Menschen die Einrichtung besucht.
Technik erleben – Pädagogik in den Mittelpunkt stellen
Wer den Open Space betritt, entdeckt verschiedene Themenräume, die unterschiedliche Zugänge zur Medienbildung ermöglichen. Hier geht es nicht darum, möglichst viele Geräte zu präsentieren. Entscheidend ist vielmehr, was Menschen mit ihnen gestalten, erfahren und lernen können.
Zu den Bereichen gehören unter anderem:
- Foto und Film: Geschichten entwickeln, Trickfilme produzieren und mit Greenscreen-Technik experimentieren.
- Podcast und Sound: Sprache, Geräusche und Musik aufnehmen und kreativ bearbeiten.
- Maker-Bereich: Ideen mit digitalen und analogen Werkzeugen umsetzen – beispielsweise durch 3D-Druck oder Textilgestaltung.
- Coding und Robotik: Spielerisch Programmierlogiken kennenlernen und technische Zusammenhänge erforschen.
- Virtuelle Welten: Mit Virtual Reality neue Perspektiven erproben.
- Medien im Alltag: Die eigene Medienbiografie reflektieren und über den Umgang mit digitalen Medien in Familien und pädagogischen Einrichtungen nachdenken.
Besonders eindrucksvoll ist die Vielfalt der Lernumgebungen. Neben technischen Experimentierbereichen gibt es beispielsweise einen Medientunnel, der dazu einlädt, die eigene Medienbiografie zu erleben, sowie einen Naturbereich. Auch ein wohnlich gestalteter Raum schafft einen Zugang zu den Lebenswelten von Kindern. Die Räume sind auf unterschiedliche Zielgruppen und pädagogische Fragestellungen ausgerichtet. So wird deutlich, dass Medienbildung nicht auf Bildschirme und Geräte beschränkt ist. Sie umfasst ebenso Wahrnehmung, Kreativität, Kommunikation, Bewegung und die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt. Die einzelnen Stationen wurden von den Mitarbeitenden des digilooms liebevoll gestaltet und zum großen Teil selbst gebaut.

Medienbildung braucht Haltung
Ein zentraler Gedanke des Besuchs: Nicht die Technik gibt die Richtung vor, sondern die pädagogische Fragestellung. Gerade in der frühen Kindheit ist ein bewusster Umgang mit digitalen Medien wichtig. Die Diskussion um Bildschirmzeiten, die sogenannte Screen-Life-Balance und die Bedeutung analoger Erfahrungen spielt deshalb auch bei digiloom eine wichtige Rolle. Digitale Angebote sollen nicht um ihrer selbst willen in den Alltag integriert werden. Vielmehr gilt es, zu prüfen, wann und wie sie Lern- und Entwicklungsprozesse sinnvoll unterstützen können – und wann andere Erfahrungen wichtiger sind. Ein digitales Werkzeug kann beispielsweise dazu dienen, eine selbst erfundene Geschichte als Film umzusetzen, Klänge aus der Natur aufzunehmen oder gemeinsam einen Roboter zu programmieren. Kinder werden dadurch nicht nur zu Mediennutzenden, sondern auch zu Gestaltenden. Gleichzeitig können pädagogische Fachkräfte mit ihnen über Medien, deren Wirkung und einen verantwortungsvollen Umgang sprechen.
Ein Ressourcenzentrum für die pädagogische Praxis
Digiloom verbindet den Open Space mit weiteren Unterstützungsangeboten. Dazu gehören Fortbildungen, Workshops und sogenannte Digiboxen: thematisch zusammengestellte Medienkoffer, die Fachkräfte für einen begrenzten Zeitraum ausleihen und in ihren Einrichtungen erproben können. Bei Bedarf unterstützt das Team sie dabei, die Materialien in konkrete pädagogische Aktivitäten zu übersetzen. Das Angebot ist besonders für Einrichtungen interessant, die neue Technologien zunächst kennenlernen möchten, bevor sie eigene Anschaffungen tätigen. Denn nicht jede Technik passt zu jeder Zielgruppe oder zu jedem pädagogischen Konzept.
Das Team der Einrichtung vereint unterschiedliche berufliche Perspektiven aus den Bereichen Sozialpädagogik, Medienpädagogik und Medien- sowie Kulturpädagogik. Diese interdisziplinäre Ausrichtung ermöglicht es, technische Möglichkeiten mit den Anforderungen des pädagogischen Alltags zu verbinden. Insgesamt arbeiten fünf Mitarbeitende mit einem Gesamtstellenumfang von 3,5 Stellen im digiloom.
Ein Blick über die Grenze – und viele Impulse für die eigene Arbeit
Der Besuch bot dem EZdB zahlreiche wertvolle Impulse. Besonders inspirierend war die konsequente Verknüpfung von Experimentieren, Reflexion und pädagogischer Praxis. Die verschiedenen Räume veranschaulichen, wie pädagogische Fachkräfte digitale Medien zunächst selbst erproben und erleben können, um daraus anschließend Ideen für die eigene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu entwickeln. Im Austausch wurde zugleich deutlich, dass die Rahmenbedingungen für Bildungseinrichtungen auch in Luxemburg unterschiedlich sind. Während die öffentlichen Grundschulen gemeinsam von Staat und Gemeinden getragen werden, hängt die technische Ausstattung von Kindertageseinrichtungen auch von den jeweiligen Trägerstrukturen ab. Eine zentrale Entwicklungsaufgabe besteht darin, Medienbildung nachhaltig in den pädagogischen Konzepten der Einrichtungen zu verankern. Dafür gibt es in Luxemburg bereits nationale Rahmenvorgaben für die non-formale Bildung, die durch einrichtungsspezifische Konzepte konkretisiert werden. Dies ist in gewisser Weise mit den Bildungsgrundsätzen NRW für Kinder von null bis zehn Jahren vergleichbar, die ebenfalls als Grundlage dienen und in die konkrete Bildungsarbeit der Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen einfließen sollen.
Unser Fazit: Gute Medienbildung beginnt nicht mit der Frage, welche Technik angeschafft werden sollte. Sie beginnt vielmehr mit der Frage, welche Erfahrungen Kinder und Jugendliche machen sollen und wie pädagogische Fachkräfte diese ermöglichen und begleiten können.
Zwischen EZdB und digiloom bestehen zahlreiche inhaltliche Schnittmengen. Da das EZdB durch seine euregionale Ausrichtung bereits Erfahrungen in unterschiedlichen Bildungssystemen gesammelt hat, denken beide Einrichtungen über eine engere Zusammenarbeit nach. Der Besuch hat dafür wertvolle Impulse geliefert und neue Perspektiven für den gemeinsamen Austausch eröffnet.

Lara Langfort-Riepe
Über die Autorin: In der Abizeitung stand bei Berufswunsch: Irgendwas mit Medien für Kinder! Denn schon während ihrer Schulzeit berichtete Lara als rasende Reporterin für junge Menschen. Nach einem wissenschaftlichen Magisterstudium in Greifswald und Münster mit den Schwerpunkten Kindermedien, Medienbildung und Recht sowie einem Fernseh-Volontariat in Köln waren die Kindernachrichtensendung logo! genau wie der Kinderkanal KIKA und die Film- und Fernsehschule in Hamm wichtige Stationen in ihrem beruflichen Leben. So ist es kaum verwunderlich, dass Lara ein großes Faible für die Filmbildung hat. Seit dem Jahr 2016 leitet sie das Euregionale Zentrum für digitale Bildung.
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