Schrauben, Entdecken, Verstehen
Wie die Medienwerkstatt der Kita Schangenstraße spielerisch Medienkompetenz fördert (Mai 2026)
Seit zwei Jahren wird in der gelben Gruppe der Kita Schagenstraße nicht nur gebastelt und gebaut – hier werden Medien verstanden. Gemeinsam mit Erzieher Gereon Hillen gestalten die Kinder ihre eigene Medienwerkstatt, in der alte Elektrogeräte auseinandergenommen, untersucht und kreativ weiterverarbeitet werden. Spielerisch sammeln die Kinder dabei wichtige Erfahrungen im Umgang mit Technik und Medien und entwickeln schon früh ein Verständnis dafür, wie digitale Geräte funktionieren.
Die Idee begann mit einem alten Radio. Zusammen mit Gereon Hillen bauten die Kinder daraus ihr erstes Projekt: den Roboter „Flippy“, der noch heute in der Werkstatt bestaunt werden kann.

Seitdem entstehen dort aus alten Computern, Kameras, Ventilatoren oder sogar VR-Brillen immer neue kreative Bauwerke und fantasievolle Roboter. Elena ist von Anfang an dabei und baut am liebsten aus alten Teilen Gesichter. Das Gesicht aus einem alten Ventilator ist bisher ihr größtes selbst gebautes.
Das Entdecken und Verstehen stehen im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die fertige Technik, sondern das Entdecken und Verstehen. Die Kinder erleben Medien nicht nur als Konsumenten, sondern erforschen aktiv, wie Geräte aufgebaut sind und was sich in ihrem Inneren verbirgt. Mit Schraubenziehern, Zangen, Seitenschneidern und kleinen Sägen öffnen sie alte Elektrogeräte und lernen dabei zahlreiche technische Bestandteile kennen. Begriffe wie „Dioden“, „Platinen“ oder „Linsen“ gehören inzwischen ganz selbstverständlich zum Wortschatz der Kinder.
Besonders spannend finden Attila und Ayoub die vielen Einzelteile, die sie beim Auseinanderbauen entdecken. „Eigentlich sind wir immer hier – nur samstags nicht und sonntags“, erzählen die beiden begeistert. Vor allem das gemeinsame Bauen von Robotern macht ihnen Spaß. Als sie eine alte Kameralinse finden, wird diese sofort in ihr neues Projekt eingebaut. Spielerisch entdecken die Kinder dabei, wie Technik funktioniert und welche Möglichkeiten in alten Geräten stecken.
Die Medienwerkstatt orientiert sich am Ansatz der Werkstattpädagogik. Das bedeutet: Die Kinder gestalten den Raum aktiv mit und entscheiden selbst, wie gearbeitet wird. Auch das Ordnungssystem für die ausgebauten Teile haben die Kinder eigenständig entwickelt. Jedes Kind plant eigene Projekte, zeichnet Skizzen und setzt Ideen kreativ um.

Greon Hillen unterstützt beim sicheren Umgang mit Werkzeugen und hilft, wenn technische Herausforderungen auftreten.
Dabei lernen die Kinder mit allen Sinnen. Sie schauen genau hin, fühlen unterschiedliche Materialien, testen Funktionen und entdecken Zusammenhänge. Eine Platine riecht nach Kleber, Kabel lassen sich mit der Zange lösen und eine alte Kameralinse vergrößert plötzlich Gesichter. Technik wird dadurch greifbar und verständlich.
Digitale und soziale Kompetenzen gemeinsam fördern
Neben technischen Fähigkeiten werden auch soziale Kompetenzen gefördert. Die Vorschulkinder erklären jüngeren Kindern den Umgang mit Werkzeugen und vermitteln die Regeln der Werkstatt. Gemeinsam wird aufgeräumt, sortiert und organisiert. Die Kinder übernehmen Verantwortung füreinander und lernen, Wissen weiterzugeben.
Für manche Kinder bedeutet die Arbeit in der Werkstatt vor allem Konzentration und Ruhe. Das sorgfältige Zerlegen, Sortieren und kreative Arbeiten wirkt auf viele entspannend und fördert Ausdauer sowie Feinmotorik.
Auch der nachhaltige Gedanke spielt eine wichtige Rolle. Die Geräte stammen aus Spenden von Eltern oder dem Kita-Team. Aus vermeintlichem Elektroschrott entstehen neue Kunstwerke und kreative Konstruktionen. Die Kinder erleben so ganz praktisch, dass alte Mediengeräte nicht sofort wertlos sind, sondern weiterverwendet und neu gedacht werden können.

Für Erzieher Gereon Hillen ist die Medienwerkstatt deshalb weit mehr als ein Bastelraum. Sie ist ein Ort, an dem Kinder Medienkompetenz aktiv erleben, Technik verstehen und eigene kreative Ideen entwickeln können. „Wir sind hier nie fertig“, sagt er lachend. Sein Ziel ist es, die Werkstatt stetig weiterzuentwickeln und das Projekt bald für alle Kita-Kinder zu öffnen. Gleichzeitig soll die Medienwerkstatt auch andere Kitas inspirieren und zeigen, wie frühkindliche Medienbildung kreativ, nachhaltig und kindgerecht gelingen kann. Interessierten Kitas bietet er an, sich bei ihm zu melden.

Lena Sonntag
Über die Autorin: Lena Sonntag ist seit September 2023 als Referentin für Medienbildung im Euregionalen Zentrum für digitale Bildung tätig. Lena liebt die Abwechslung und Gegensätze in der Medienbildung: Naturwissenschaften und Sprachen begeistern sie. Mit ihrem didaktischen Schwerpunkt zählen die Konzeption und Durchführung von Fortbildungen und Qualifizierungen zu ihren Hauptaufgaben. Aktuell hat sie sich auf die Qualifizierungen der Fachkräfte im frühkindlichen Bildungsbereich spezialisiert, berät aber gerne auch alle anderen pädagogischen Lehr- und Fachkräfte sowie Einrichtungen.
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